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Alltagsleben im 1. Jh. n. Chr.

Religion/Geistesleben der Germanen

Was zeigt Ars Replika?

Wir informieren über Quellen zum Toten- und Götterglauben, zu Geistesleben und Mentalität der Germanen und zeigen einen rekonstruierten Kultbezirk, der sich an die Kultstätten in Oberdorla anlehnt.


Wir wissen nur sehr wenig über Glauben und Lebenseinstellung der Germanen. Die ersten, sicher datierten Runeninschriften stammen aus dem frühen 3. Jh. n. Chr. Es handelt sich um Weiheformeln, Flüche, Losorakel oder einfach um die Bezeichnung des Gebrauchsgegenstandes, auf dem sie angebracht  sind. Wir sind darum auf die Berichte antiker Schriftsteller angewiesen, sowie auf Ausgrabungen von Gräbern, Kultstätten und Siedlungen. Übrigens decken sich die Forschungsergebnisse nicht im mindesten mit den okkulten Praktiken neuheidnischer Gruppen.

Der Totenglaube ist der am besten dokumentierte Aspekt germanischer Religion. Die konkreten Absichten, die den Bestattungssitten zugrunde liegen, bleiben uns zwar verborgen; dennoch ist sicher: Die Germanen glaubten an ein Leben nach dem Tode, das dem diesseitigen glich und in dem der soziale Status des Verstorbenen und Feste eine wichtige Rolle spielten. Die Germanen des ersten Jahrhunderts übten die Brandbestattung und die Beigabensitte; Körpergräber sind die Ausnahme. Der Tote wurde in seiner „besten Kleidung“ verbrannt, häufig auch die Beigaben. Die Beisetzung erfolgte in Urnen, von der obertägigen Grabanlage ist in der Regel nichts erhalten geblieben. Die Mehrheit der Gräber übrigens enthält keine Beigaben bzw. nur solche aus vergänglichen Materialien.

Die römischen Autoren umschreiben Eigenschaften und Funktionen germanischer Gottheiten gerne mit Götternamen, die in ihrem eigenen Kulturkreis gebräuchlich waren (interpretatio romana). So zählt Tacitus Zeus, Merkur, Mars, Herkules und Isis auf. Inwieweit sich dahinter bereits die Götter verbergen, die uns in den viel jüngeren Sagas begegnen, läßt sich nicht ohne Weiteres klären.

Wiederholt ist von weisen, seherisch begabten Frauen die Rede; das Orakelwesen war offenbar von großer Bedeutung. Nur die Priester hatten das Recht Strafen und Hinrichtungen auszuführen. Über die Organisation des Priesterwesens ist nichts bekannt. Zwar erwähnen antike Autoren vereinzelt rituelle Handlungen, allerdings ohne den Sinn zu verstehen.

Große Kultbauten/Tempel sind nicht belegt, jedoch Kultstätten in Hainen, an Quellen, Flußufern und Mooren, die zum Teil jahrhundertelang kontinuierlich genutzt wurden. Entdeckt wurden Reste von Opfermahlzeiten, Opfergaben, z. B. Haare, Boote, Wagen, Schmuck, erbeutete Waffen - häufig rituell zerstört - und auch Hinweise auf gelegentliche Menschenopfer. Mehrfach kamen anthropomorphe, stark stilisierte Kultfiguren aus Holz zutage, die geschlechtsspezifische Merkmale zeigen; ihre Bedeutung ist unklar.

Ein Beispiel für eine germanische Kultstätte, die über Jahrhunderte genutzt wurde ist die Kultstätte von Oberdorla in Thüringen. Dort wurden seit dem 6. Jahrhundert vor Christus bis in die Völkerwanderungszeit immer wieder Kultplätze angelegt. Häufig in Form von mit Flechtwerkzäunen umfriedeten Kultbereichen in deren Mitte ein ebenfalls mit Flechtwerk umfriedeter Altar aus Rasensoden stand. Gottheiten wurden in Form von Stangen-, Pfahl-, Astgabel-, Kantholz- und Brettidolen, die einen abgesetzten Kopf tragen, verehrt. Es fanden sich dort neben diversen Tier- und Sachopfern auch Reste von einigen wenigen Menschenopfern.

Die antiken Quellen heben außerdem die Gastfreundschaft, Spielleidenschaft und die hohe Akzeptanz von Kriegs- und Beutezügen als zusätzliche Erwerbsquelle neben Landwirtschaft und Jagd hervor.

Auffällig ist eine Tendenz zur Absonderung im Großen wie im Kleinen: Nach Caesar und Tacitus lagen die Siedlungen locker verstreut und durch Ödland bzw. Urwald voneinander getrennt, was auch Ausgrabungen bestätigen. Innerhalb der Dörfer standen die Häuser einzeln und waren eingezäunt. Diese Siedlungsweise entspringt vielleicht nicht alleine dem Schutzbedürfnis, sondern könnte Ausdruck einer Mentalität sein. Dafür sprechen die Bedeutung der Zäune im germanischen Volksrecht und eine durch Grabfunde und römische Überlieferung belegte Sitte, der zufolge die Germanen jeder für sich an einem eigenen kleinen Tisch und Stuhl speisten.

Literatur:

J. Amstadt,  Die Frau bei den Germanen. Matriarchale Spuren in einer patriarchalen GesellschaftStuttgart 1994, S. 19-22,
   155-61G.
G. Behm-Blancke, Heiligtümer der Germanen und ihrer Vorgänger in Thüringen. Die Kultstätte Oberdorla, Weimarer Monographien
   zur Ur- und Frühgeschichte Bd. 38, 1-2, Stuttgart 2002/03
D. Bischop,  Speere und Spiele. Römer und Germanen zwischen Weser und Hunte, Begleitheft zur Ausstellung, Kreismuseum Syke 1996, S. 38ff, 41-4
T. Capelle,  Studien über elbgermanische Gräberfelder in der ausgehenden Latènezeit und der älteren römischen Kaiserzeit,
   Münster Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 6, 1971
M. Gebühr, Der Trachtschmuck der älteren römischen Kaiserzeit im Gebiet zwischen unterer Elbe und Oder und auf den
   westlichen dänischen Inseln, Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 18, 1976
W. Grönbech,  Kultur und Religion der Germanen, 2 Bde, 13. Aufl., Darmstadt 2002
H.-J. Häßler,  Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen, Hamburg 2002, S. 217ff
J. Lichardus,  Körpergräber der frühen Kaiserzeit im Gebiet der südlichen Elbgermanen, Saarbrücker Beiträge zur
   Altertumskunde 1984
B. Maier,  Die Religion der Germanen. Götter, Mythen, Weltbild, München 2003
M. Müller-Wille,   Opferkulte der Germanen und Slawen, Reihe Sonderheft zu „Archäologie in Deutschland“, Stuttgart 1999
J. Obmann/D. Wirtz Die Wiederkehr der Götter? Vorchristliche Heiligtümer im Spiegel der Esoterik und des Neuheidentums in: M. Baumbach (Hrsg.), Tradita et Inventa. Beiträge zur Rezeption der Antike, Heidelberg 2000
B. Odenstedt On the Origin and Early History of the Runic Script, Acta Academiae Regiae Gustavi Adolphi 59, Uppsala 1990
W. Pohl  Die Germanen, Enzyklopädie Deutscher Geschichte Bd. 57 (Hrsg. L. Gall), München 2000, S. 76, 78-85
L. Rübekeil, Diachrone Studien zur Kontaktzone zwischen Kelten und Germanen, Östereichische Akademie der
   Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse Sitzungsberichte, 699. Bd., Wien 2002, S. 181-303
M. Schön,  Der Thron aus der Marsch. Ausgrabungen an der Fallward bei Wremen im Landkreis Cuxhaven I, Museum Burg
   Bederkesa, Begleithefte zu Ausstellungen I, 1995
J. de Vries,   Altgermanische Religionsgeschichte I, Berlin 2000
Caesar, de bello gallico, 6, 21,1+ 23,1-9 (Religion, Siedlungsweise, Kriegslust, Gastfreundschaft)
Tacitus, Germania, 8ff,14ff, 21, 24, 27, 39f, 43 (Religion, Kriegslust, Siedlungsweise, Gastfreundschaft, Spielleidenschaft,
   Bestattungssitten, Menschenopfer

 

Eining 1 Eining 2 Haltern1  

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